Erinnerung in Sulzburg

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Die Ansprache des Ministerpräsidenten Erwin Teufel finden Sie zum download am Ende der Seite

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Der Rat der Stadt Sulzburg hat sich auf folgendes verständigt:

Bei Verlegung von Stolpersteinen, Stolperschwellen oder ähnlichen Erinnerungsmomenten lässt sich die Stadt Sulzburg von folgenden Überlegungen leiten:

Was spurlos verschwunden ist, lässt sich nicht mehr aufspüren. Nur da wo Spuren geblieben sind, spüren wir etwas von dem was einmal war.

Die Stadt Sulzburg sieht es als Aufgabe, das Schicksal der am 22.10.1940 ausgelöschten jüdischen Gemeinde Sulzburg zu erinnern.

Zugleich erinnert sie an den Reichtum und die Tragödie eines über 400jährigen christlich-jüdischen Zusammenlebens in Sulzburg und deren Wahrnehmung mit allen erreichbaren Spuren.

Diese Erinnerungsarbeit schuldet die Kommune der verletzten Würde dieses Ortes, den alte jüdische Schriften „das heilige Sulzburg“ nannten. Die Stadt Sulzburg spürt diesen Wegen aber auch nach, um die Unfasslichkeit des Millionenmordes in der Begegnung mit wenigen Namen und Lebensläufen zu fassen. Dies hat der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel in seiner Ansprache im Februar 1995 in der ehemaligen Synagoge deutlich und eindrucksvoll  hervorgehoben und betont.

Dabei steht der Erinnerung der Stadt zur Verfügung das bürgerschaftliche  Engagement in all seinen Facetten, das sich auch in Vereinsstrukturen formuliert hat und der Stadt helfend und unterstützend zur Seite steht. Gleichzeitig weiß die Stadt Sulzburg sich eingebunden in das Netz einer interkommunalen Zusammenarbeit in der Erinnerungsarbeit. Ausdruck dieses Erinnerns an die Vergangenheit können Veranstaltungen, Ausstellungen und andere vielfältige Informations- und Begegnungsmöglichkeiten sein. Sie sollen dazu dienen, die Wahrnehmungskraft des Menschen am Ort und um den Ort für das Vergangene zu schärfen um es nicht zu wiederholen.

 

Verfahren zur „Stolpersteinverlegung“ auf öffentlichem Grund:

  • Der Antrag an die Gemeinde soll von dem Eigentümer des Hauses kommen vor dem der Stolperstein auf öffentlichen Grund verlegt werden soll.
  • Mit dem Antrag soll eine Dokumentation vorgelegt werden, die die Geschichte und Verfolgung des/der ehemaligen jüdischen Bewohner nachweist,  die mit den Stolpersteinen dokumentiert werden.
  • Die Namen und Anschriften der Nachkommen werden der Kommune von den Initiatoren der Kommune frühzeitig  zur Verfügung gestellt.
  • Es sollte –sofern möglich-  ein Kontakt und Einvernehmen mit den Nachfahren des/der jüdischen Bewohner über die Absicht der Verlegung eines Stolpersteins erzielt werden. Diese sollten dann auch über den Zeitpunkt der Verlegung informiert werden. Die Einladung der Angehörigen soll über die Stadt Sulzburg erfolgen um zu dokumentieren, dass es sich auch um eine kommunale Erinnerung handelt.
  • Bei  geplanten Verlegungen von Stolpersteinen beauftragt der Rat die Verwaltung, städtische Einladungen an den betreffenden Personenkreis auszusprechen und ein Programm der Einladung vorzulegen, das die wichtigsten Plätze – kommunale und nicht kommunale - der jüdischen Vergangenheit Sulzburgs miteinbezieht und vorstellt.
  • Die (überschaubaren) Kosten für die Verlegung der Stolpersteine sollten aus dem privaten Bereich heraus getragen werden.
  • Da die Erinnerung der Stadt Sulzburg wesentlich ist, ist es erforderlich, dass jeder Vorgang der Verlegung selbst und damit zusammenhängend mit der Kommune engstens abgestimmt wird und von der Kommune federführend begleitet wird. Dazu gehören öffentliche Äußerungen, Verlautbarungen in die Öffentlichkeit und auch entsprechende Veranstaltungen.
  • Die Verlegung selbst soll durch und in Anwesenheit von Günter Demnig stattfinden, dessen künstlerisches Lebenswerk diese Erinnerungsarbeit darstellt.

Bei der Verlegung der Stolpersteine muss ein städtischer Vertreter zugegen sein und anschließend ein Empfang im Rathaus stattfinden.

 

Da es einige Unschärfen in der Beschlusslage aus dem Jahr 2014 gab, insbesondere was die Themen „Einladung der Angehörigen durch die Stadt Sulzburg“, „Aufstellung eines Programms durch die Stadt Sulzburg“ und „Teilnahme des Künstlers Herrn Demnig“ gab, hat die Verwaltung den Modus überarbeitet, der gewährleisten soll, dass Stolpersteinverlegungen in  einem würdevollen, angemessenen Rahmen stattfindet und die Stadt Sulzburg die Federführung im Verfahren behält.

Ansprache in der Sulzburger ehemaligen Synagoge von Ministerpräsident Erwin Teufel:

mit freundlicher Genehmigung der Redaktion